Von Kartoffeln & LSD – Ein Erlebnisbericht
April 29, 2008

Im Gegensatz zu sonst entschieden wir uns heute überraschend für die kostenintensivere Alternative zum üblichen Fast Food, denn: Ein besonderer Tag erfordert ein auf besondere Art und Weise erzeugtes Sättigungsgefühl in möglichst ansprechendem Ambiente. Was genau der besondere Anlass sein sollte schien bis eben unklar. Und auch, dass es sich überhaupt um einen handelt war noch vor Stunden beinah abwegig. Doch je mehr wir uns gedanklich mit der bevorstehenden Reise befasst haben, umso deutlicher kristallisiert sich: Es wird ein einmaliges Erlebnis. Nicht nur ein gewöhnlicher Ausflug ins Mecklenburger Umland. Nein! Es wird ein Fest, ein Trip, eine Hommage an die Seele – gemeinsam mit ca 50 bis 100 anderen Erlesenen die das gleiche Ziel haben – Beltane!
Der Trägheit halber, schließlich hat man nicht viel Schlaf bekommen in der vorangegangenen Nacht, fiel die Wahl auf das wenige hundert Meter entfernte Kartoffelhaus am Stadthafen. Bereits vor einigen Wochen ertappten wir uns, wie wir im Vorbeigehen unauffällig die, wie üblich auch außen platzierte, Speisekarte studierten und uns beim Gedanken an Ofenknollen und Bauernfrühstück der Speichel floss.
Mit ähnlichen Gelüsten gefüllt, trieb es uns gen Silos, wo ein überdimensioniertes Hinweisschild am Eingang des Gasthauses auf die, allem Anschein nach bereits eingeläutete, Spargelsaison aufmerksam machte. Mein Verlangen nach Spargel entfachte sich plötzlich dermaßen, dass ich am liebsten sofort die Zigarette danach genossen hätte.
Nun folgt der unangenehme Teil:
Mit Betreten der Lokalität begannen auch schon die Querelen. Denn, entspricht man nicht dem gängigen Bild von geregeltem Lifestyle, so kann es einem passieren, dass schon beim ersten Anblick dem geschulten Servicepersonal alle Höflichkeitsfloskeln wie „Guten Tag“ oder Herzlich Willkommen“ schlichtweg entfallen.
Leicht in meinem Stolz und meiner Würde verletzt, habe ich mich doch damit abgefunden nicht wie jede_r andere auch begrüßt zu werden.
Weiter ging es also mit der Karte. Diese sollte uns von einer jungen Angestellten dargereicht werden. Bei ihrem zielstrebigen Gang direkt auf uns zu flammte jedoch wieder ein Fünkchen Hoffnung in mir auf, das Versäumte würde nun nachgeholt (Man mag es nicht glauben, doch ich steh’ nun mal auf Etikette). Nach erneuter Enttäuschung konzentrierten wir uns erst einmal auf’s Menu, denn der Hunger war größer als der Wille sich öffentlich zu echauffieren. Zwischen ein paar Minuten hin und her Überlegens wonach es einem geschmacklich verlangt, wurden uns freundlicherweise die Getränkewünsche bereits abgenommen, sodass wir wenigstens nicht lange Durst leiden mussten. Anzumerken bleibt jedoch, dass mein kleines Alster definitiv einen übertrieben hohen Zitronenlimonadeanteil besaß. Naja, ich nehme an, die alte Dame, vermutlich die Leitzentrale der 3-köpfigen Servicegang, hat es nur gut gemeint mit mir.
Wir bestellen das empfohlene Spargelgericht mit Sauce Hollandaise und Butterkartoffeln für schlappe 5,30 Euro für die Dame und ein deftiges Bauernfrühstück für 7,90 Euro für den Herrn.
Beim Warten auf die Nahrung entgingen uns zum Glück nicht die kleinen Details wie Kunstblumenarrangements, zweifelhafte Holztäfelung an den Wänden, die einen gewissen rustikalen Charme erzeugen sollten, sowie bunte Glasornamente an den Fenstern deren Mitte geschmacklose Coca Cola- und Glashägerlogos zierten.
Ein Piepen aus Richtung Küche bot uns Anlass zum Scherzen, dass unsere Malzeiten nun gewärmt aus der Mikrowelle abholbereit sein könnten. Bei näherem Betrachten unsere gelieferten Bestellungen blieb uns jedoch nur festzustellen: Das war kein Scherz, sondern dezimeterwellige Realität. Lieblose Salatdekorationen, fade Kartoffelkreationen und eine nahezu geschmacksneutrale Sauce Hollandaise à la Knorr hinterließen bei uns Feinschmeckern ein nicht zu leugnendes Gefühl der Unbefriedigung.
Doch wir nahmen es mit jeder Menge Humor was dazu führte, dass wir uns alle Zeit der Welt für die Nahrungsaufnahme gönnten und so Gelegenheit fanden die Gepflogenheiten des Kartoffelhauses weiter zu studieren. Ein besonderer Glücksfall stellt in diesem Zusammenhang das Eintreten einer jungen Dame dar, die mit einer Mappe in der Hand auf die drei Glucken am Restauranttresen zugeht. Allem Anschein nach handelt es sich hierbei um eine Bewerberin um einen Ausbildungsplatz. Sie spricht kurz mit dem weiblichen Service-Häuptling und überreicht ihr die Bewerbungsmappe mit knapper Bemerkung. Bereits kurz nachdem sie sich zum Verlassen des Lokals abgewendet hat werfen die drei Damen vom Grill einen missgünstigen Blick auf die Mappe, woraufhin Frau Häuptling mit einer zweifelsohne abwertenden Bewegung die Mappe ans andere Tresenende schiebt. Immerhin besaß das Dreiergespann, welches mich vielleicht nicht ohne Grund an die Stiefmutter und -schwestern des allseits beliebten Aschenputtel erinnert, den Anstand mit ihren Abfälligkeiten zu warten bis das Mädchen sich umgedreht hat.
Und so ernüchternd unser eleganter Restaurantbesuch in Arbeitsklamotte auch war, den Appetit auf das morgen anstehende Beltane Festival kann uns doch niemand nehmen. Und noch ein Fazit kann gezogen werden: Fast Food ist toll und auch noch kostengünstiger, dafür meistens weniger unterhaltsam!
In diesem Sinne,
guten Appetit!
Würdet ihr meine Bowlingbahn betreten und ein Bauernfrühstück ohne Speck bestellen wäre ich genauso pampig, kann jawohl nicht wahr sein.
Wurstige Grüße,
Dr. Meiser
hehe, ich hab auch mal den Fehler gemacht, dort mit Matze hinzugehen (die Tüte vorher hat uns auch noch unglaublich heiß auf das Ganze gemacht). Aber leider gab es bis auf dreckige Teller und schlechter Bedienung auch nichts Nennenswertes zu berichten…
Hatte ich irgendwie anders in Erinnerung von den Familienfeiern früher